120 × Hoffnung


Paralympics Gewinner Sebastian Dietz traf im Libanon Flüchtlinge,
die sich eine eigene Zukunft aufbauen

In drei palästinensischen Flüchtlingscamps, im Süden des Libanon,
ermöglichen die Johanniter und ihr lokaler Projektpartner Naba‘a 120 Jugendlichen eine Berufsausbildung.
In libanesischen Berufsschulen erhalten die Jugendlichen eine Ausbildung zum Friseur, Buchhalter, Koch oder Kellner.
Zuvor wurde in einer Marktstudie untersucht, in welchen Bereichen im Libanon Arbeitsplätze vorhanden
und vor allem Menschen mit Behinderung eine Jobperspektive haben.
Die Hälfte der 120 Jugendlichen leben mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung.
Für sie sind die Hürden in den Berufseinstieg fast unüberwindbar.
Nach der sechsmonatigen Ausbildung unterstützen die Johanniter und Naba’a die Studenten
ein Praktikum oder einen Job zu finden. So wollen viele der teilnehmenden Jugendlichen
ein eigenes Geschäft eröffnen. Hier helfen die Johanniter mit Kleinkrediten weiter.
April 2017: Farah, 14 nimmt am Ausbildungsprogramm der Johanniter teil
April 2017: Sie absolviert eine Fotografieausbildung an einer libanesischen Berufsschule
Im Oktober 2017 reiste Paralympics-Gewinner Sebastian Dietz in den Libanon und traf vor Ort auch Farah

Mut und Hoffnung

Sebastians Reise in den Libanon

Sebastian Dietz, zweifacher Paralympics-Sieger und dreifacher Weltmeister im Kugelstoßen und Diskuswurf,
reiste im Oktober 2017 in den Libanon,
um Einblicke in das Ausbildungsprojekt der Johanniter für junge Flüchtlinge zu erhalten und sich vor Ort zu engagieren.
Sebastian Dietz, 32 Jahre alt, war nach einem schweren Autounfall vom Hals abwärts gelähmt.
Die Prognose: Nie wieder laufen zu können.
Doch dank seines Kampfgeistes gelang es ihm, bereits nach ein paar Wochen wieder zu stehen und nach wenigen Monaten wieder zu gehen.
Ziel seiner Reise war es: „Ich möchte den Kindern und Jugendlichen vor Ort zuhören,
mit ihnen sprechen und ihnen auch Mut geben.“
"Die Verhältnisse dort sind unvorstellbar, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Das wird in meinem Kopf bleiben. Es ist für jeden, der dort leben muss, wahnsinnig schwierig, in jeder Hinsicht. Ich kann es absolut nachvollziehen, dass die Menschen von dort weg wollen.“
„Ich war im größten Camp der Palästinenser: Auf 1,9 Quadratkilometer leben über 100.000 Menschen. Im August gab es dort noch Häuserkämpfe, zum Teil lagen noch die Patronenhülsen rum.“ Es war beängstigend, beklemmend, auch wenn es keine wirkliche Gefahr gab.
"Und wenn ich mir vorstelle, dass die Menschen dort 365 Tage im Jahr sind, dass Kinder dort aufwachsen und lernen, dass nur der Stärkere weiterkommt und du eigentlich keine Zukunftschance hast, dann wundere ich mich nicht, dass Gruppen eine Chance haben, die auf eine Radikalisierung aus sind und versuchen, solche Kinder aufzufangen.“
„Ich habe viele Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen geführt, wollte etwas Mut und Hoffnung vermitteln und versuchen, ihnen zumindest einen Moment ohne Probleme schenken.“
„Ich möchte die Projekte weiter begleiten und auf die Probleme vor Ort aufmerksam machen. So kann man vielleicht zusätzlich zum normalen Unterricht schauen, ob man Sport integrieren kann, damit die Kinder und Jugendlichen noch etwas anderes haben, auch als Rückzugsraum, wenn es ihnen schlecht geht.“
"So war es bei mir immer. Der Fußball hat mir geholfen, egal in welcher Situation ich war. Wenn es mir gut ging, hat er mich noch einmal gepusht, wenn nicht, hat er mich auf andere Gedanken gebracht. Ich bin immer auf den Platz und habe mich ausgetobt. In so einer Situation wie den Camps kann das etwas besonders wertvolles sein: Etwas, was nicht wehtut, sondern eigentlich immer hilft.“

Libanon

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Kein Land hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon, gemessen an seiner Bevölkerungszahl. Fast jeder dritte Einwohner ist Migrant in dem kleinen Land am Mittelmeer, halb so groß wie Hessen. Allerdings hat der Libanon die UN-Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet. Flüchtlinge werden deshalb offiziell nicht als solche anerkannt. Dies macht es den über 1,5 Millionen Flüchtlingen im Land sehr schwer, ein neues Leben aufzubauen. Besonders die Palästinenser, die teilweise bereits seit 1948 im Land sind, leben bis heute in Camps und erhalten kaum Möglichkeit im libanesischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
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